In den letzten Wochen war es etwas ruhiger hier im Blog. Zum einen hatte ich Urlaub, zum anderen habe ich auch ein wenig über die Tools nachgedacht, die ich einsetze. Und was für mich sinnvoll ist.
Ich nehme das Ende vorweg. Ich werde zukünftig Emacs nicht mehr verwenden und dafür dann andere Programme einsetzen. Es gibt verschiedene Probleme, eins sogar gravierend, die sich für mich im täglichen Umgang mit Emacs ergeben haben.
Emacs - das Tool, welches alles kann
Emacs ist wohl das Programm, mit dem ich sehr viele meiner privaten Prozesse abbilden konnte. Sei es das Schreiben für dieses Blog inklusive Deployment. Sei es die Emailverwaltung über mu4e. Oder auch Kalender, Notizerfassung und die Verwaltung zweier Dungeons & Dragons-Kampagnen. Ich habe wirklich viel in Emacs gemacht. Und es hat alles funktioniert. Ein wirklich großartiges Tool. Und dennoch ist es doch nicht das Richtige für mich.
Die tollen Funktionen
Es gibt viele tolle Funktionen, die ich in Emacs wirklich sehr schätze und auch vermissen werde.
Die Outlinerfunktion in orgmode sucht ihresgleichen. Ich kann Inhalte schnell einklappen, ausklappen, verschieben, die Hierarchie-Ebene ändern. Bisher habe ich kein anderes Tool gesehen, welches das kann.
Die Geschwindigkeit der Bedienung ist Wahnsinn. Sobald ich die wichtigsten Tastenkombinationen gelernt hatte, bin ich wirklich schnell geworden. Und auch M-x und die sehr gute Suche (dank entsprechender Module) sind top.
Der LaTeX-Export nach PDF ist super gelöst. Es war noch nie so einfach für mich, gutaussehende PDF-Dokumente (sei es der Mitschnitt für eine Dungeons & Dragons-Kampagne, Bewerbungen oder Lebenslauf) zu erzeugen.
Und für mich war die ruhige, wenig ablenkende Oberfläche eine Wohltat. Keine nervenden Mitteilungen, kein Aufdrängen von ungewollten Funktionen. Emacs war einfach da und ruhig.
Lisp
Ich kann kein Lisp. Möchte ich in Emacs etwas konfigurieren, benötige ich aber Lisp. KI kann hier helfen. Aber das bedeutet, dass ich dann oft eine KI nutzen muss, um meine Konfiguration zu erweitern, zu überarbeiten oder auch um Fehler zu finden und zu lösen.
Ich möchte kein Lisp lernen. Ich habe da keine Zeit. Und es gibt auch nicht viele Quellen, mit denen ich einfach und schnell zumindest die Grundlagen lernen könnte. Zumindest verstehe ich die Konfiguration, die ich mir zusammengestellt habe. Aber wenn ich zum Beispiel eine Capture-Erweiterung hinzufügen möchte, dann kann das schnell schiefgehen. Eine Klammer vergessen? Emacs startet mit einem Fehler.
Ich muss aber selbst in der Lage sein, Fehler zu finden und zu beheben. Das funktioniert einfach nicht für mich. Geht es um JSON, TOML, YAML, XML, Bash, … dann kann ich selber eine Analyse durchführen und Fehler beheben. Bei Lisp bin ich einfach verloren.
Org als Format
Ich mag orgmode sehr gerne. Das Format ist klar und der orgmode in Emacs ist super. Insbesondere die bereits erwähnten Outline-Funktionen suchen ihresgleichen. Die Funktionen, die Emacs rund um das Format anbietet, sind genial. Und dennoch fühlt sich das org-Format wie eine Sackgasse an. Es gibt nur wenige Programme, außerhalb von Emacs, die mit einer org-Datei gut zurechtkommen.
Mobiler Zugriff
Ebenso wie die Probleme mit org-Dateien außerhalb von Emacs ist der mobile Zugriff auf Notizen schwierig. Unabhängig vom Sync (das bekomme ich gut in den Griff), es gibt keine wirklich guten Programme für Android, um eine org-Datei zu öffnen. Ich habe einige Programme versucht und sie sind alle, aus meiner Sicht, an Bedienung und den Basisfunktionen bereits gescheitert.
Emacs - die Nische
Emacs ist die Nische in der Nische. Es gibt eine kleine, sehr rege Community. Aber sie ist klein. Die Entwicklung insbesondere von Erweiterungen liegt meistens auf den Schultern einer einzelnen Person.
Nehmen wir als Beispiel org-roam. Ich nutze dieses Modul sehr viel. Es findet aber keine Weiterentwicklung mehr statt. Ich kann verstehen, dass eine Software irgendwann fertig sein kann. Aber wenn ich mir die gemeldeten Probleme und Fehler anschaue, dann würde ich vielleicht von “featurecomplete” sprechen. Aber nicht fehlerfrei oder -arm. Es gibt dort noch offene Baustellen, die man angehen könnte.
Und so habe ich den Eindruck, ist es bei einigen Erweiterungen so. Sehr toll und durchdacht. Und sie funktionieren gut. Aber wer sagt, dass mit der nächsten Version von Emacs eine Erweiterung noch funktioniert?
Fanboy
Ich habe in den letzten Wochen erkannt: ich nutze Emacs, weil ich Fanboy bin. Es ist nerdig. Es klingt cool. Aber es hat mir nicht das Ergebnis gebracht, was es hätte bringen können.
Ich habe viele einzelne Aufgaben in einem Tool bearbeitet. Aber der Sinn der Vernetzung (z. B. aus einer Email ein TODO im Orgmode erzeugen) wurde von mir überhaupt nicht genutzt. Ich habe Emacs also eigentlich nur gestartet, um darin dann wieder viele kleine Programme laufen zu lassen. Und ich habe Emacs genutzt, weil ich neugierig bin und Spaß am Tüfteln habe.
Ich möchte aber zukünftig etwas mehr Ruhe in meinen Tools haben, wenn es um die Konfiguration und Einrichtung geht. Vielleicht bin ich einfach mittlerweile zu alt und will weniger basteln, sondern meinen Rechner einfach benutzen.
Gesundheitliche Probleme
Das ist wohl das schwerwiegendste Argument… mir tun einfach irgendwann die Hände weh. Für Emacs braucht man Tastenkombinationen. Das ist für mich Fluch und Segen zugleich. Ich bin sehr schnell in der Bedienung. Aber ich nutze sowohl auf der Arbeit wie auch privat Emacs. Mir tun einfach die Hände, Ellenbogen und Schultern irgendwann weh. Trotz ergonomischer Tastatur geschieht das. Jetzt nutze ich seit etwa einer Woche andere Tools, mit weniger Tastenkombinationen und die Schmerzen sind weg.
Dann ist Emacs für mich leider nicht das richtige Tool.
Was nutze ich jetzt?
Ich bin grundsätzlich jetzt auf Markdown als Format umgestiegen. Mir ist bewusst, dass Markdown ungleich Markdown ist. Einige Tools haben ihre eigenen Dialekte. Aber grundsätzlich komme ich mit Markdown viel weiter als mit dem org-Format.
Für die Verwaltung meiner Notizen und Kampagnen nutze ich wieder Obsidian. In der Firma bin ich auf Visual Studio Code umgestiegen. Damit löse ich auch das Problem, dass ich eine Fremdsoftware auf dem Firmen-Laptop einsetze. Eventuell wird es hier zukünftig strengere Regeln geben. So habe ich das im Vorwege bereits gelöst.
Zum Schreiben dieses Blogs verwende ich jetzt ebenfalls VS Code mit Plugins für Markdown, Rechtschreibprüfung, Git-Integration und für das Deployment. Da ich in Emacs mittels ox-hugo eh die Markdown-Dateien für Hugo im Hintergrund erzeugt habe, war der Umstieg einfach.
Für die weitere Pflege meiner Dungeons & Dragons-Mitschrift nutze ich auch Markdown. Ein Bash-Script erzeugt dann aus der Datei das PDF mit exakt denselben Einstellungen, die Emacs verwendet hat.
Emails und Kalender werden wieder über die Anwendungen von Proton genutzt. Das funktioniert sehr gut.
Ich habe mittlerweile über 400 Notizen aus dem org-Format in Obsidian übertragen. Die Konvertierung hat gut funktioniert (hier hat mich KI sehr gut unterstützt).
Es fühlt sich jetzt für mich richtig und ruhig an. Auch wenn ich viele Dinge in Emacs vermissen werde und mich das ein oder andere Mal fragen werde: warum hat Programm X nicht diese tolle Funktion aus Emacs?