In den letzten Wochen habe ich mir oft Fragen zur Linuxnutzung gestellt.
- Wie viele Linux-Benutzer gibt es eigentlich?
- Welche Benutzeroberflächen werden gerne genutzt?
- Wie sieht es bei den Paketen aus?
- Gibt es Zu- oder Abwanderungen?
All diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten. Es gibt keinen globalen Telemetrie-Dienst, den alle Distributionen verwenden. Aber es gibt einige Quellen, die wir durchaus anzapfen können.
Aus dieser Idee habe ich mittels Claude Code eine kleine Datennsammelplattform entwickelt. Bei meinen Recherchen zu den Quellen konnte ich folgende ausfindig machen:
Quellen
Debian Popularity Contest (popcon)
Debian fragt während der Installation, ob man am “popularity contest” teilnehmen möchte. Stimmt man zu, sendet das System einmal in der Woche eine Liste der installierten Pakete an einen Server bei Debian. Dort werden die Daten verarbeitet und stehen dann als Auswertung zur Verfügung. Der Dienst hilft Debian, um einen Eindruck zu erhalten, welche Pakete besonders oft installiert sind.
Indirekt kann man auch die Versionswechsel gut erkennen. Debian-Benutzer wechseln nicht sofort auf die nächste Hauptversion, sondern der Wechsel verteilt sich über einen langen Zeitraum.
Arch-Paket-Statistiken
Arch hat ein ähnliches System wie Debian. Hier muss man aber wissen, dass es dieses System gibt und (archtypisch) selber installieren und einrichten. Die Statistiken sind mit Debians vergleichbar. Es werden die installierten Pakete gezählt. Im Gegensatz zu popcon gibt es bei Arch bereits fertige Statistiken zu einigen interessanten Bereichen (z. B. Anteile der jeweiligen Desktopsysteme).
Fedora Countme
Fedora hat vor einigen Jahren einen Dienst in das System integriert, der jede Installation zählt. Soweit ich es verstanden habe, wird regelmäßig eine einmalige ID des Systems an Fedora gesendet. Dadurch kann Fedora recht genau die Anzahl der Systeme zählen.
Spannend bei Fedora ist das Wachstum der Benutzerzahlen der KDE-Version. Der Anstieg ist deutlich höher als bei der Gnome-Version, die lange Zeit die Hauptversion dargestellt hat.
Ubuntu-Mirror
Ein Ubuntu-Mirror aus Frankreich veröffentlich regelmäßig Informationen über die Nutzung. Die Auswertung ist hier besonders spannend, da der Mirror weiß, welche Version anfragt. Man kann durch die Daten hier schön sehen, wie schnell oder langsam die Ubuntu-Benutzer von einer LTS-Version zur nächsten wechseln.
openSUSE
Der Haupt-Updateserver von openSUSE zeichnet eine einmalige ID des anfragenden Systems auf. Die Daten werden über ein Grafana-Dashboard bereitgestellt. Man kann sehr schön die Anzahl der Systeme und der eingesetzten Variante von openSUSE ablesen. So wächst Tumbleweed seit Jahren beständig, während Leap in der Nutzung sinkt.
Flathub
Flathub bietet auch einige Informationen an, die ausgewertet werden können. Ähnlich wie bei Debian oder Arch gibt es sogar Informationen zu einzelnen Paketen (Downloads und Updates). Und es gibt Statistiken über die generelle Nutzung von Flathub. Spoiler: es steigt stetig an.
Distrowatch
Mehr als Spielerei habe ich auch noch über die Wayback-Machine mir die Distrowatch-Daten besorgt. Distrowatch kann man nicht als ernsthafte Quelle nehmen, um daraus Nutzungszahlen abzuleiten. Distrowatch zählt nur die Aufrufe jeder Distributionsseite auf Distrowatch. Daraus ergibt sich dann der Counter bzw. das Ranking auf Distrowatch. Aber es ist schon interessant, die Daten sich im Verlauf der Jahre anzuschauen. War es früher recht konstant mit langsamen Veränderungen, sieht es dieses und letzes Jahr anders aus. Distributionen wie CachyOS steigen plötzlich auf Platz 1. Andere Distributionen verlieren schneller ihre Position. Es gibt viel mehr Bewegung.
Umsetzung
Dank Claude Code habe ich hier lokal auf meinem Raspberry Pi eine kleine Datensammelstation erstellt. Der Pi besorgt sich einmal im Monat aus den genannten Quellen die aktuellen Daten und fügt sie den bereits ermittelten Informationen hinzu. Daraus wird dann eine Webseite generiert, die dann auf einem meiner Server gehostet ist. So kann ich jetzt selber mir jeden Monat die Änderungen in der Linuxwelt anschauen.
Und damit nicht nur ich etwas davon habe, steht die Seite allen zur Verfügung. Unter Linux Fun Statistiken kann jeder die Seite jetzt aufrufen. Also viel Spaß beim Studieren der Daten und bitte daran denken: die Daten wurden unverändert übernommen und nicht weiter verändert. Die Seite zeigt alles einfach nur so an, wie es die Daten hergeben.
Fazit
Was sagen die Daten denn nun? Das ist immer mit Vorsicht zu beantworten. Die meisten Quellen repräsentieren nicht 100% der Benutzer. Wir können aus den Quellen nur Trends ableiten und vorsichtige Interpretationen wagen.
- Wenn ich mir die Anzahl der Datensätze für popcon, Arch Pgkstats, Fedore countme und openSUSE anschaue, dann scheint es bei der Anzahl der installierten Systeme einen Aufwärtstrend zu geben. Insbesondere Fedora scheint ein sehr starkes Wachstum zu haben.
- Bei den Desktops scheint KDE aktuell den größten Zulauf zu haben, Gnome fällt stetig ab.
- Die Nutzung von Flathub steigt stetig seit Jahren. Das kann entweder bedeuten, dass Benutzer von den klassischen Distributionspaketen weg zu Flathub-Paketen migrieren oder wir haben einfach mehr Benutzer, die Flathub nutzen.
- Es gibt deutlich mehr Bewegungen in den Linuxdesktops. Neue Distributionen entstehen, andere verschwinden. Die Daten von Distrowatch zeigen das sehr schön in den letzten zwei Jahren.
- Fedora-Benutzer wechseln recht schnell auf eine neue Version der Distribution. Debian-Benutzer lassen sich mehr Zeit.
- Ubuntu-Benutzer scheinen die Interims-Versionen kaum zu nutzen. Zumindest gibt es kaum nennenswerte Installationszahlen laut den Daten. Der Wechsel von einer LTS-Version zur nächsten verläuft hier auch sehr langsam.
Insgesamt war das ein spannendes und interessantes Projekt. Ich muss noch prüfen, ob auch wirklich die Datenaktualisierung zuverlässig funktioniert. Aber selbst wenn nicht… Claude wird das dann fixen. Bis dahin: viel Spaß mit den Daten.